Baldiso Zenith
Das schnellste Rennrad der Welt: Mit diesem Attribut bewirbt Baldiso aus dem Allgäu sein brandneues Zenith – und liefert die beeindruckenden Zahlen gleich mit: 193,6 Watt bei 45 km/h hätten die Messungen nach dem branchenüblichen Standard im Windkanal ergeben – und damit einen neuen Bestwert aufgestellt. Dass die Marke um Firmengründer Sebastian Baldauf dicke Ausrufezeichen setzen kann, haben ihre Macher schon mit ihrem markanten „The One“ gezeigt (vgl. RB 05/25).
Mit dem Zenith legen sie jetzt nach und betonen, dass das eben nicht „nur“ das schnellste Rennrad sei, sondern auch bei den übrigen Anforderungen wie Gewicht, Steifigkeit und Komfort Maßstäbe setzen soll. Noch dazu werde es komplett in Deutschland gefertigt. Eine Menge Vorschusslorbeeren also. Ob das Rad diese Versprechen im ROADBIKE-Test einlösen kann?
Rein optisch zeigt sich das Baldiso Zenith weniger auffällig, als man es von einem Renner mit solcher Aero-Performance erwarten würde: Weder Gabelscheiden noch Steuerrohr, Cockpit oder Hinterbau präsentieren sich optisch extrem auffällig. Da gibt es durchaus ungewöhnlichere Modelle wie das polarisierende Factor One auf S. 32. Auch auf Features wie Luftdurchlässe am Cockpit, Sitzrohr oder speziell angepasste Flaschenhalter verzichtet Baldiso. Nur das mächtig breite Unterrohr fällt auf.
Richtig schnell ist das Zenith dennoch, das beweist es auf unseren Testfahrten eindrucksvoll. Dank der 2474 Gramm leichten Ennoble-Laufräder mit Contis Aero-Reifen nimmt es spielerisch Tempo auf und hält Top-Speed problemlos; im Unterlenker geht es zudem tief nach unten, sodass auch der Fahrer dem Wind nur minimalen Widerstand entgegensetzt. Bei entschlossenen Antritten im Wiegetritt beeindruckt der 790 Gramm schwere Rahmen mit seiner Steifigkeit und liefert die Power direkt auf der Straße ab. Mindestens genauso beeindruckend: Das Zenith wiegt komplett nur 6,66 Kilogramm – und ist somit der leichteste Aero-Renner, den wir bislang im Test hatten! Klar, damit lässt sich nicht nur Tempo bolzen, das Zenith klettert auch leichtfüßig wie eine Gämse. Nur schade, dass trotz des stolzen Preises von 12.750 Euro kein Powermeter verbaut ist. Immerhin lässt sich das Zenith via Konfigurator ganz nach Kundenwunsch anpassen. Kompletträder bietet der Hersteller ab 9.990 Euro an.
Schnell und leicht ist das Baldiso also. In puncto Komfort beeindruckt es weniger. Zwar flext die Sattelstütze ordentlich, aber der sehr harte Carbon-Sattel dämpft kaum und auch die Front erweist sich als vergleichsweise hart. Wer damit klarkommt, findet im Zenith ein exklusives und extrem schnelles Rennrad für allerhöchste Performance-Ansprüche.
„Einen leichteren Aero-Renner hatten wir noch nie im Test. Das exklusive Zenith hat mich echt beeindruckt.“
Text: Christian Brunker
Erschienen im ROADBIKE Einzeltest (10/26)
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